Thilo Westermann

Westermanns Zeichnungen changieren zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, indem sie objekthaft vor der Wand schweben. Auch das Gezeichnete ist nicht eindeutig festlegbar: Aus sich überlagernden Zeichenschichten lässt der Künstler eine Bildwelt zwischen Flächigkeit und Räumlichkeit entstehen, die weder vorgefundene Gegenstände abbildet noch von diesen abstrahiert. Vielmehr bilden Empfindungen und Stimmungswerte wie der subjektiv empfundene Eigenwert von Farbe den Ausgangspunkt für die Bilder, die Westermann in einem langen, intensiven Prozess zu Papier bringt. Die Oberflächenbeschaffenheit des Zeichenträgers Papier sowie die Materialität der Farbe spielen eine wichtige Rolle bei der Wahl der zeichnerischen Struktur (Punkte, Striche oder der Verzicht auf Struktur in Form möglichst homogener Flächen). Das Bild wächst allmählich heran, indem diese Strukturen überlagernd geschichtet werden. Die einzelnen Schichten bleiben dabei zwar erkennbar, lassen sich jedoch nicht eindeutig bestimmen oder abgrenzen. Es entsteht eine malerisch-atmosphärische Wirkung, die die Grenzen des Zeichnerischen aufzuheben scheint. Das Spiel mit tradierten Sehgewohnheiten (z.B. Anwendung oder bewusste Negation perspektivischer Mittel) verschmilzt mit dem subjektiven Empfinden des Künstlers und hält das Gezeichnete in mysteriöser Unbestimmbarkeit. Trotz präzisester zeichnerischer Ausführung im Detail bleiben die Arbeiten somit im Rätselhaften.

"Meine Bilder müssen der Betrachtung aus nächster Nähe standhalten", sagt Thilo Westermann. "Sie sollen wie Phänomene an der Wand hängen, die man zwar mit dem Vergrößerungsglas untersuchen, aber nicht abschließend oder allgemeingültig entschlüsseln kann." Dies gilt für Westermanns schwarz-weiße Hinterglasarbeiten, die natürliche Ursprünglichkeit in Gegensatz zu synthetischer Hochglanz-Perfektion setzen. Und es gilt für seine farbigen Zeichnungen, die stets jene unergründliche Faszination bewahren, die den Künstler veranlasst hat, sie auszuführen.

 

Biografie:

geboren 1980 in Weiden (Opf.)
lebt und arbeitet in Erlangen und Frankfurt

2001-2007 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
2004-2008 Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen sowie der Ludwig-Maximilian-Universität München
2008 Gaststudium an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Preise und Auszeichnungen:

2007 Atelierstipendium des Freistaats Bayern
2007 Akademiepreis 2007, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
2006 Hausderkunstpreis 2006, Haus der Kunst München
2002 Kunstförderpreis der Stadt Lauf

Ausstellungen/Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl):

2010 30 Jahre Galerie Rainer Wehr, Galerie Rainer Wehr, Stuttgart
2009 Triennale Schweinfurt für zeitgenössische Kunst, Kunsthalle Schweinfurt
2009 Pixelpops, BolteLang Gallery (Corridor), Zürich
2008 Statements, Oechsner Galerie, Nürnberg
  Zumikon, Nürnberg
  Städtische Galerie im Bürgerhaus, Schwabach
2007 Die neue Präzision, Galerie Rainer Wehr, Stuttgart
  Klosterkreuzgang Benediktbeuern
  Couture et natures mortes, Kunstverein Ottobrunn
2006 K 2006, Denkmalfarbig, Haus der Kunst, München
  Mittendrin, Lebendiges Südburgenland, Technologiezentren Jennersdorf-Güssing, Österreich
2005 K 2005, Haus der Kunst, München
2004 K O4, Hautnah, Haus der Kunst, München
2003 K O3, Haus der Kunst, München
  Bilder, Briefe, Noten XLVII, Autoren Galerie, München