Die Oechsner Galerie freut sich, Thilo Westermann eine zweite Einzelausstellung zu widmen. Die Arbeit des 1980 geborenen Künstlers, der unter anderem an der Nürnberger Kunstakademie studiert hatte, war im Herbst 2010 bereits mit der Ausstellung "Joie de vivre" in der Galerie zu sehen. In der derzeitigen Ausstellung "Vanitas" (07. Juli bis 11. August 2012) werden neben Buntstiftzeichnungen neue Hinterglasarbeiten sowie erstmals Drucke zu sehen sein, die Westermanns kritische Auseinandersetzung mit Bildlichkeit und künstlerischer Bildgenese konsequent fortsetzen.Für seine schwarz-weißen Arbeiten nutzt Westermann die traditionelle Technik der Hinterglasmalerei bewusst in einer neuen, konzeptuellen Weise: Die makellose, spiegelglatte Oberfläche der Glasscheibe rückt das abgebildete Motiv in unerreichbare Ferne; der abgebildete Gegenstand und das Bild werden somit zur kostbaren Preziose erhoben. Ähnlich der Exponate einer Vitrine wird das Abgebildete zur Schau gestellt und zugleich hinter einer Glasscheibe dem direkten Zugriff entzogen.Wie bei Abbildungen von Hochglanzmagazinen setzt sich das in Westermanns Hinterglasbildern Dargestellte durch ein Raster zusammen. Die Suggestion der täuschend echten Plastizität des Abgebildeten ergibt sich durch Verdichtung der Punkte, die sich beim Betrachten optisch als Verdunklungen/Verschattungen zusammenziehen. Die einzelnen Rasterpunkte werden jedoch nicht in der seriellen Massenproduktionsweise des Printmediums gedruckt, sondern in einem langwierigen Prozess hinter der Plexiglasscheibe von Hand aufgetragen. An der Stelle der möglichst schnellen, effizienten Herstellung einer hohen Auflagenzahl steht bei Westermann ein geradezu meditatives Hinarbeiten auf ein einziges, möglichst perfektes Original.Dieses Original nutzt Westermann als Basis für seine Werkreihe von Drucken. Er lässt hierzu seine Hinterglasarbeiten ablichten und in fünffacher Vergrößerung in limitierter Auflage auf alterungsbeständiges Spezialpapier drucken. Das Ergebnis ist ein Giclée-Druck, der durch klassische Rahmung selbst zum Tafelwerk veredelt wird.Durch die Vergrößerung stellt Westermann der absolut realistisch erscheinenden Darstellung des ursprünglichen Hinterglasbildes dessen handwerkliche Machart gegenüber. Das Motiv seiner Drucke zerfällt in einzelne Punkte und erhebt damit das Ringen um eine möglichst gegenständliche Darstellung zum Hauptthema. An die Stelle der Objektivität der Fotografie tritt die Subjektivität der Punktsetzung: Im Gegensatz zur monotonen, technischen Rasterung von Zeitungsbildern und den Pixeln digitaler Bilder geben sich die manuell komponierten Punkte als individuelle, persönliche Setzungen zu erkennen. Sie weisen das Bild als "das Ergebnis eines künstlerischen Prozesses" (Petra Weigle) aus.Thilo Westermanns monochrome Buntstiftzeichnungen sind nach dem Farbton des jeweils verwendeten Stiftes benannt, mit dem die weiß grundierten Bildflächen Zeile um Zeile mit Punkten angefüllt werden. Je nach Tagesform oder dort, wo der Stift neu angespitzt wurde, verändert sich der Auftrag bzw. der Durchmesser der Punkte. Dadurch ergeben sich dunklere/hellere Passagen, die die Zeichnung fast wolkig, aber nie monoton wirken lassen. Damit bleibt auch in den Zeichnungen der Herstellungsprozess erahnbar: Sie wirken wie "Logbücher der vom Künstler an und mit der Arbeit verbrachten Zeit" (Martin Thierer).
geboren 1980 in Weiden (Opf.)
lebt und arbeitet in Nürnberg und München
| 2011 | Arbeitsaufenthalt in New York City (USA) |
| 2009 - 2008 | Gaststudium an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe |
| 2008 - 2004 | Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an der Friedrich Alexander-Universität Erlangen sowie der Ludwig-Maximilian-Universität München |
| 2007 - 2001 | Studium an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg (Meisterschüler) |
| 2007 | Atelierstipendium des Freistaats Bayern |
| 2007 | Akademiepreis 2007, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg |
| 2006 | Hausderkunstpreis 2006, Haus der Kunst München |
| 2002 | Kunstförderpreis der Stadt Lauf |
| 2012 | Vanitas, Oechsner Galerie, Nürnberg (Einzelausst.) |
| Werkschau, Oechsner Galerie, Nürnberg | |
| 2011 | Rotary Collection Nürnberg-Sigena, Ausstellungshalle der AdBK Nürnberg |
| 2010 | Die neue Präzision II, Galerie Rainer Wehr, Stuttgart |
| Joie de vivre, Oechsner Galerie, Nürnberg (Einzelausst.) | |
| 30 Jahre Galerie Rainer Wehr, Galerie Rainer Wehr, Stuttgart | |
| 2009 | Triennale für zeitgenössische Kunst, Kunsthalle Schweinfurt |
| Werkpräsentation, Oechsner Galerie (Studio), Nürnberg | |
| 2008 | Pixelpops, BolteLang Gallery (Corridor), Zürich |
| Statements, Oechsner Galerie, Nürnberg | |
| Zeichnung und Hinterglasmalerei, Zumikon, Nürnberg (Einzelausst.) | |
| Zeichnung – Hinterglasmalerei, Städtische Galerie im Bürgerhaus, Schwabach (Einzelausst.) | |
| 2007 | Die neue Präzision, Galerie Rainer Wehr, Stuttgart |
| Couture et natures mortes, Kunstverein Ottobrunn (Einzelausst.) | |
| 2006 | K 2006, Haus der Kunst, München |