In der Oechsner Galerie ist ein Außerirdischer gelandet. So wirken die Skulpturen von Peter Senoner: wie Wesen aus einer anderen Galaxie. Es sind "Migranten zwischen den Welten und zwischen den Medien", wie der Künstler selbst sagt. Sie drücken die Sehnsucht des Menschen aus, "seine Grenzen zu durchbrechen, auch auf die Gefahr hin, mit den Tieren und Pflanzen, den Mineralien zu verschmelzen".* Dieser poetischen und naturnahen Gedankenwelt fühlt sich Peter Senoner nahe, wenn er seine Skulpturen im Zeitalter der Biotechnologie und der computergesteuerten Bilderzeugung im Atelier erarbeitet - zunächst aus Holz. Die in der Oechsner Galerie gezeigte Arbeit "Monomon" ist der aufwendige Bronzeguss einer handgearbeiteten Holzskulptur. Durch eine Einbrandlackierung erhält der Bronzeguss eine weiße, porzellanähnliche Oberfläche, die den Zauber des androgynen Fabelwesens mit seinen eigentümlich funkelnden Kryolithglas-Augen noch verstärkt.
Holzskulptur, Aluminiumguss oder lackierter Bronzeguss - in jeder Form sind Senoners Figuren eigenständige Werke. Der Künstler verbindet seine Skulpturen häufig mit anderen Medien, insbesondere Zeichentrickfilmen. "Ich lasse meine Protagonisten zwischen den Aggregatzuständen amphibisch wechseln, im Sinne einer Metamorphose und Verdoppelung," sagt Senoner. Den Weg der Skulptur vom Atelier in den öffentlichen Raum oder in die Galerie sieht er als "Weg in die Wirklichkeit". Je nach Präsentationsform entstehen Wechselwirkungen zwischen Skulptur und Betrachter - die Skulptur kann zum Fremdkörper werden oder der Besucher im Ausstellungsraum zum Fremdkörper in der Szenerie.
*Der Ethnologe Michel Leiris 1929, zit. nach Bernhart Schwenk, "Im großen Schatten des Außen - Zu den Skulpturen von Peter Senoner" in: Stretch Sculpture, Meran, 2005

Monomon (Detail), 2002-07, Bronzeguss einbrandlackiert, Kryolithglas, 205 x 80 x 50 cm
Werke: