Susanne Roth

"auf Papier"

Ausstellung bis 7. November 2009


Vernissage am 19. September ab 19 Uhr
Es spricht: Thilo Westermann

Mit der Ausstellung "auf Papier" widmet Annette Oechsner der Künstlerin Susanne Roth nach den Ausstellungsbeteiligungen im Herbst 2007 (Susanne Roth/Olaf Unverzart) und im Frühjahr 2009 ("After Dark, My Sweet" mit Patrick Cierpka, Franziska Furter, Matthias Lahme, Markus Putze) eine erste Einzelpräsentation in der Oechsner Galerie.

"Mitunter ist das Papier allein der Protagonist in Susanne Roths Kunst. Farbiger alter Karton etwa. Die Künstlerin hat die Farben aufgefrischt, mit der gebotenen Zurückhaltung, denn die Blätter sollen ihre Geschichte zeigen, die lesen kann, wer Papier so sehr liebt wie die Künstlerin", schrieb Thomas Heyden 2007. Hier knüpft die aktuelle Ausstellung an. Die Oechsner Galerie zeigt zwei neue Werkreihen, die sich gleichzeitig gegenüber stehen und wechselseitig korrespondieren - schwarzweiss streng und klar hier, farbig leuchtend und geheimnisvoll dort. Susanne Roth rückt ihre gefundenen Gebrauchspapiere wiederum in ganz anderes Licht, haucht abgelegten Material neues Leben ein.

In der schwarzweissen Werkreihe dominiert ein sattes, mattes Schwarz. Das Papier ist robust, fast lederartig, hautähnlich, zudem geprägt durch ein vertieftes, quadratisches Raster. Hier arbeitet die Künstlerin subtraktiv, sie nimmt weg - eine bildhauerische Arbeitsweise in der Zeichnung. Das eingeprägte Raster beherbergt eine unendliche Fülle von Möglichkeiten, Linien herauszuschälen und sichtbar zu machen. Durch die unterschiedliche Dichte der weissen Linien entstehen verschiedene Tiefen von Schwarz, bis hin zu verschiedenen Grauwerten.

Ausgangspunkt der farbigen Werkreihe sind dagegen in mattem Blau grundierte Blätter aus einfachem, sprödem, holzhaltigem Papier. Die Künstlerin hat es abgegriffen und staubig vorgefunden, um es vor und nach dem Farbauftrag zu polieren. Hier arbeitet sie additiv, fügt mit viel Wasser angereicherte Acryltusche hinzu. Schicht für Schicht wird die Farbe aufgetragen, aufgesprüht, tröpfchenweise hinzugefügt. Es bilden sich Farbpfützen, kleine Seen, die Feuchtigkeit hinterlässt Spuren, das Papier wird wellig, auch der Rand formt und wölbt sich nach innen. Die blaugrünbraunen Farbtöne beginnen durch Reflektierung auf dem unebenen Papier zu schillern.

Susanne Roth lässt das Vorgefundene zum einen in seiner stillen Schönheit und Selbstverständlichkeit sprechen, versieht es zum anderen mit eigenen, subtilen und präzisen Spuren. In einer Welt der digitalen Wort- und Bilderflut hat es fast etwas Tröstliches: gerade das Weglassen, die reduzierte Form, die leise Eindringlichkeit dieser Papierarbeiten lenkt uns auf neue Spuren, verleiht dem Gewöhnlichen eine überraschende Schönheit und erstaunliche Kostbarkeit.

Werke: